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Unternehmensnachfolge: Was Nachfolger wirklich erwartet – und wie man sich richtig vorbereitet

Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens gilt als eine der anspruchsvollsten unternehmerischen Entscheidungen überhaupt. Wer sie mit Klarheit, Mut und dem richtigen Netzwerk angeht, hat jedoch realistische Chancen auf nachhaltigen Erfolg.


Wenn von Unternehmensnachfolge die Rede ist, richtet sich der Blick meist auf die abgebende Seite: den Gründer, der loslassen muss, das Lebenswerk, das in neue Hände übergeht, die Frage nach dem richtigen Preis. Doch auf der anderen Seite der Transaktion steht eine Person, über deren Perspektive weit seltener gesprochen wird – der Nachfolger. Dabei ist genau diese Seite entscheidend dafür, ob eine Übergabe gelingt oder scheitert.


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Dieser Artikel beleuchtet, was Nachfolger und Nachfolgerinnen wirklich erwartet: emotional, organisational und strategisch. Er richtet sich an Führungskräfte und Unternehmer, die eine Übernahme erwägen, sowie an alle, die in der Unternehmensberatung und Führungskräfteentwicklung mit diesem Thema befasst sind.


ca. 125.000Übergaben pro Jahr in D

~48 %extern statt familiär

> 50 %Merger scheitern kulturell


Der erste Tag: Anders als erwartet

Kaum ein Nachfolger, der gut vorbereitet in ein Unternehmen einsteigt, bleibt von einer Erkenntnis verschont: Es ist anders als gedacht. Selbst wer jahrelange Due-Diligence-Prozesse durchlaufen, mit dem Vorbesitzer gesprochen und Branchenkenntnisse mitgebracht hat – die Realität des ersten Monats überrascht fast jeden.

Der Grund dafür liegt in einer fundamentalen Asymmetrie: Für den neuen Inhaber ist alles neu. Für die Belegschaft hingegen war alles schon immer so. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen die Abläufe, die ungeschriebenen Regeln, die Beziehungsgeflechte. Sie haben ein über Jahre gewachsenes Verständnis davon, wie der Laden funktioniert – und sie gehen selbstverständlich davon aus, dass er so weiter funktionieren wird.


Praxishinweis

Erfahrene Unternehmensberater empfehlen, in den ersten 90 Tagen primär zuzuhören statt zu gestalten. Eine strukturierte Einführungsphase mit dokumentierten Gesprächen auf allen Ebenen schafft Vertrauen und liefert Informationen, die in keiner Bilanz stehen.


Wer als neue Führungskraft oder Inhaber in dieses Gefüge eintritt, muss sich zunächst einordnen – nicht aus Schwäche, sondern aus strategischer Klugheit. Wer die Mechanismen eines Unternehmens nicht versteht, kann sie nicht verändern. Und wer versucht, zu viel zu schnell zu ändern, verliert das Wichtigste: das Vertrauen der Menschen, auf die er angewiesen ist.



Widerstand ist normal – und kein persönliches Versagen

Menschen lieben Routinen. Veränderung – selbst wenn sie objektiv sinnvoll ist – erzeugt Widerstand. Das gilt für die Einführung neuer Software ebenso wie für eine neue Führungsphilosophie. In der Unternehmensnachfolge kommt erschwerend hinzu, dass die Mitarbeitenden oft nicht nur ihre Arbeitsgewohnheiten, sondern ihre persönliche Identität mit dem Unternehmen verknüpft haben.


Wer 15 oder 20 Jahre lang auf eine bestimmte Art gearbeitet hat und diese Art nun als veraltet oder verbesserungswürdig eingestuft wird, erlebt das als Kritik an der eigenen Person. Das muss man als Nachfolger verstehen und respektieren – ohne deswegen auf notwendige Veränderungen zu verzichten.


„Es gibt nichts, was man ändert, ohne dass jemand einen Grund findet, warum das doch nicht so gut ist."


Besonders heikel ist diese Dynamik im handwerklichen und produzierenden Bereich, wo Management-Instrumente aus der White-Collar-Welt – Feedbackgespräche, OKRs, agile Strukturen – nicht einfach 1:1 übertragen werden können. Werkzeuge der Führungskräfteentwicklung, die in einem Konzernumfeld selbstverständlich sind, können in einem Familienhandwerksbetrieb wie ein Fremdkörper wirken, wenn sie nicht behutsam eingeführt werden.


Hier liegt eine der wichtigsten Lehren erfolgreicher Unternehmensnachfolgen: Change Management ist keine Nebentätigkeit. Es ist die eigentliche Aufgabe der ersten Phase.



Der Unterschied zwischen Konzern und Mittelstand

Viele Führungskräfte, die aus großen Organisationen in die Unternehmensnachfolge wechseln, unterschätzen einen entscheidenden strukturellen Unterschied: Im Konzern gibt es Abteilungen, die Probleme lösen. Legal, HR, Finance, Compliance, Kommunikation – all das sind spezialisierte Einheiten, die man anruft, wenn man etwas braucht.


Im mittelständischen Unternehmen ist man selbst diese Einheiten. Man ist zugleich Geschäftsführer, Personalchef, Vertriebsleiter und manchmal auch Hausmeister. Diese Erkenntnis klingt trivial, hat aber weitreichende psychologische Konsequenzen: Es gibt kein Backup. Es gibt keine Instanz, die eine unpopuläre Entscheidung absegnet oder mitträgt. Die Verantwortung liegt allein bei einem selbst.


Aus der Beratungspraxis

Wer aus einem Konzernumfeld kommt und ein KMU übernimmt, sollte frühzeitig ein Dienstleisternetzwerk aufbauen: Steuerberater, Arbeitsrechtler, Gesellschaftsrechtler, Personalberater. Wer erst in der Krise anfängt zu suchen, findet nicht rechtzeitig den richtigen Ansprechpartner.


Dieser Aspekt betrifft auch die Frage der Entscheidungsgeschwindigkeit. Was im Konzern Wochen durch Gremien dauert, kann und muss man im KMU manchmal in Stunden entscheiden. Das ist befreiend – und gleichzeitig belastend. Wer diese Ambivalenz kennt und akzeptiert, ist gut auf die Nachfolge vorbereitet.



Familieninterne versus externe Nachfolge

Statistisch teilt sich die Unternehmensnachfolge in Deutschland ungefähr hälftig zwischen familiären und externen Übernahmen auf, wobei der Anteil familieninterner Nachfolgen leicht rückläufig ist. Beide Wege haben spezifische Vor- und Nachteile, die man kennen sollte.


Wer in einem Unternehmenshaushalt aufgewachsen ist, kennt die Kultur des Betriebs von Kindesbeinen an. Man weiß, was Unternehmertum bedeutet – als Lebensform, nicht nur als Berufsbezeichnung. Gleichzeitig bringt familiäre Nachfolge eine Erwartungsstruktur mit sich, die eng mit persönlicher Identität verknüpft ist. Wenn der Nachname über dem Firmentor steht und Generationen von Arbeit darin stecken, ist der Druck ein anderer als bei einem externen Käufer.


Die externe Nachfolge hingegen bietet mehr Freiheiten in der Neugestaltung – dafür fehlt oft das Vertrauen der Belegschaft in der Anfangsphase, das die Tochter oder der Sohn von Beginn an mitbringt. Beide Wege erfordern jedoch das gleiche Fundament: Klarheit über die eigene Motivation, die eigenen Stärken und die eigene Risikobereitschaft.



Warum mehr Frauen in die Nachfolge gehen sollten

In Deutschland liegt der Anteil von Unternehmerinnen bei unter 20 Prozent – und er ist zuletzt wieder gesunken. Das ist ein wirtschaftliches Problem, nicht nur ein gesellschaftliches. Denn Studien zeigen konsistent, dass von Frauen geführte Unternehmen langfristig wirtschaftlich stabiler sind und robustere Strukturen entwickeln.


Insbesondere in der Unternehmensnachfolge liegt hier ein ungenutztes Potenzial. Frauen bringen häufig ausgeprägte Stärken in Planung, nachhaltiger Steuerung und kommunikativer Führung mit – alles Qualitäten, die in der Integrationsphase einer Übernahme besonders gefragt sind. Die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum sollte dabei kein Hinderungsgrund sein: Wer als Unternehmerin oder Unternehmer tätig ist, hat mehr Gestaltungsfreiheit über seine Zeit als jede angestellte Führungskraft.


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Das richtige Netzwerk: Nicht erst aufbauen, wenn man es braucht

Eines der wichtigsten Learnings aus der Praxis der Unternehmensberatung: Netzwerke helfen nicht in dem Moment, in dem man sie sucht. Sie helfen, weil man sie bereits hat.

Für Nachfolgerinnen und Nachfolger bedeutet das: Mentoren, Gleichgesinnte, Fachberater und Unternehmernetzwerke sollten Teil der Vorbereitung sein – nicht der Reaktion. Institutionen wie IHKs und Handwerkskammern bieten Mentorenprogramme speziell für Gründer und Nachfolger. Berufsverbände wie der BVMW oder die Junge Wirtschaft von den Familienunternehmern haben lokale Gruppen, in denen man sich austauschen kann.


  • Steuerberater und Wirtschaftsprüfer mit KMU-Erfahrung frühzeitig auswählen

  • Arbeitsrechtliche und gesellschaftsrechtliche Beratung sichern, bevor Konflikte entstehen

  • Personaldienstleister als Backup für Personalengpässe kennen

  • Mentorenprogramme von IHK, HWK oder Berufsverbänden nutzen

  • Branchenspezifische Unternehmer- und Unternehmerinnennetzwerke beitreten

  • Unternehmernachfolgeberater als Kontakt halten – nicht erst suchen, wenn man kaufen will


Die Einsamkeit der Führungsposition – das Gefühl, Dinge nicht mit dem Team besprechen zu können, Verantwortung allein zu tragen – ist eine der am häufigsten unterschätzten Herausforderungen in der Nachfolge. Ein stabiles externes Netzwerk ist dafür kein Luxus, sondern eine betriebliche Notwendigkeit.



Prozessoptimierung als strategischer Vorteil

Wer von außen in ein bestehendes Unternehmen kommt, sieht Dinge, die intern niemand mehr wahrnimmt. Prozesse, die historisch gewachsen sind, aber schon lange nicht mehr optimal laufen. Strukturen, die einst sinnvoll waren, inzwischen aber bremsen. Systeme, die vor zehn Jahren modern waren und heute Effizienzpotenziale verschenken.


Diese frische Perspektive ist einer der größten Wettbewerbsvorteile in der Nachfolge – wenn sie richtig genutzt wird. Das bedeutet jedoch nicht, sofort alles umzuwerfen. Die Kunst liegt darin, die richtigen Hebel zu identifizieren und sie in der richtigen Reihenfolge zu betätigen.


Erfahrene Berater sprechen von sogenannten „Low Hanging Fruits": leicht umsetzbare Prozessoptimierungen, die ohne großen Widerstand die Profitabilität des Unternehmens messbar verbessern und gleichzeitig Vertrauen in die Führungskompetenz des Nachfolgers schaffen. Wer zuerst die kleinen Erfolge generiert, hat später leichter das Mandat für die großen Veränderungen.


Strukturierte Prozessoptimierung erfordert jedoch Disziplin: Prioritäten setzen, Maßnahmen begründen, die Belegschaft mitnehmen. Wer mit einer Liste von 25 Verbesserungsideen nach der ersten Arbeitswoche antritt, überfordert alle Beteiligten – unabhängig davon, wie sinnvoll die Ideen im Einzelnen sein mögen.



Die Übergangsphase: Wenn Vorgänger noch präsent sind

In vielen Nachfolgesituationen – insbesondere bei familieninternen Übergaben oder bei beratend begleiteten Transaktionen – sind Vorbesitzer noch eine Zeit lang im Unternehmen präsent. Diese Übergangsphase ist heikel und wird in der Praxis oft unterschätzt.


Für die Belegschaft entstehen dabei zwei Bezugspunkte: Der neue Inhaber, der die Zukunft repräsentiert – und der bisherige Unternehmer, der für Verlässlichkeit, Vertrautheit und eingespieltes Wissen steht. Die Mitarbeitenden suchen unwillkürlich nach Signalen, welchem dieser Zentren sie sich zuwenden sollen. Wenn beide Seiten nicht klar kommunizieren und Konflikte auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen werden, ist das strukturell schädlich.


Empfehlenswert ist eine klare vertragliche Regelung der Übergabephase: Wie lange bleibt der Vorgänger beratend tätig? In welchen Bereichen hat er Entscheidungsbefugnis, in welchen nicht? Wie kommunizieren beide nach innen und außen? Eine solche Strukturierung ist kein Misstrauensvotum, sondern professioneller Standard.



Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Eine häufige Fehlvorstellung ist, dass Unternehmensnachfolge ein Thema für junge Menschen sei – für Berufsanfänger oder frische Hochschulabsolventen. In der Realität sind viele der erfolgreichsten Nachfolger Führungskräfte mit langjähriger Erfahrung, die Anfang oder Mitte Vierzig oder Fünfzig in ein bestehendes Unternehmen einsteigen.


Das ist auch volkswirtschaftlich relevant: Der demografische Wandel trifft nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern auch die Unternehmerlandschaft. In den nächsten Jahren wird eine historisch einmalige Welle von Übergaben stattfinden, weil eine ganze Generation von Unternehmern gleichzeitig in die Nachfolgeplanung eintritt. Gleichzeitig werden in großen Organisationen zunehmend gut qualifizierte Führungskräfte aus mittleren und oberen Managementebenen freigesetzt.


Hier entsteht eine strategische Gelegenheit: Gut ausgebildete Führungskräfte mit Branchenerfahrung, die ein bestehendes Unternehmen übernehmen und ihre Management-Kompetenz dort einsetzen, wo sie unmittelbar wirksam werden kann. Für Unternehmensberatungen und Verbände, die sich mit Führungskräfteentwicklung befassen, liegt hier ein erhebliches Potenzial für gezielte Begleitung und Vernetzung.



Finanzierung: Es muss nicht am Kapital scheitern

Ein verbreitetes Hemmnis ist die Frage der Finanzierung. Wer kein erhebliches Eigenkapital mitbringt, glaubt oft, eine Übernahme sei für ihn nicht realisierbar. Das stimmt so nicht.


Es gibt in Deutschland ein gut ausgebautes Ökosystem aus Bürgschaftsbanken, KfW-Programmen, regionalen Förderinstitutionen und privaten Investoren, das gezielt auf die Unternehmensübernahme ausgerichtet ist. Ergänzend dazu gibt es strategische Modelle – etwa die Zusammenarbeit mit Private-Equity-Investoren oder ausländischen strategischen Partnern, bei denen der zukünftige Geschäftsführer sein operatives Know-how und sein Netzwerk einbringt, während der Investor das Kapital stellt und sich sukzessive zurückzieht.


Der entscheidende Faktor ist nicht das Kapital, sondern der Plan. Wer ein schlüssiges Konzept vorlegen kann – mit einer klaren Vorstellung davon, welche Potenziale im Unternehmen stecken, wie die Entwicklung aussehen soll und welche eigenen Stärken man einbringt –, der findet in der Regel auch die Finanzierung.



Nachfolge ist nicht für immer

Ein letzter, häufig unterschätzter Aspekt: Die Entscheidung zur Unternehmensnachfolge ist keine lebenslange Bindung. Wer nach fünf oder sieben Jahren entscheidet, dass er das Unternehmen weiterentwickelt und dann verkauft, handelt unternehmerisch legitim – genau wie ein Private-Equity-Investor, der einen Betrieb aufwertet und weitergibt.


Das Ziel muss nicht immer die Dauerbeschäftigung sein. Es kann auch darin bestehen, ein Unternehmen zu professionalisieren, seinen Wert zu steigern und es dann in andere Hände zu geben – mit einem finanziellen Ertrag für sich selbst und mit gesicherten Arbeitsplätzen für die Belegschaft. Diese Perspektive nimmt dem Thema Nachfolge einen Teil seiner einschüchternden Wucht und macht es zugänglicher für diejenigen, die lieber in überschaubaren Horizonten planen.



Fazit für die Praxis

Unternehmensnachfolge ist eine der komplexesten und zugleich lohnendsten unternehmerischen Entscheidungen. Wer sich ihr mit Klarheit über die eigenen Ziele, einem belastbaren Netzwerk und dem Willen zur echten Integration nähert, findet darin eine einmalige Chance: Gestaltungsfreiheit, Verantwortung und unternehmerischen Einfluss auf einem Niveau, das im Angestelltenverhältnis selten erreichbar ist.


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